Arbeitsunterlagen für die Herstellung von elektrischen Ausrüstungen für Umspannwerke. 3D-Modelle. Zeichnungen. Normative Dokumentation.

KVP-10/13 — Retrofit der Schaltanlage: Konstruktion, Fertigung, Implementierung

Das Retrofit der KVP-10/13-Zelle ist ein technisch fundierter Ersatz des ausfahrbaren Einschubwagens mit Ölleistungsschalter durch ein modernes Modul mit Vakuum- (oder SF6-)Leistungsschalter, wobei Gehäuse KRU2-10, Sammelschienensysteme und Kabelanschlüsse erhalten bleiben. Wir passen Einschubwagen und Schnittstellen so an, dass die Geometrie der Gegenstücke erhalten bleibt, die normgerechten Verriegelungen realisiert werden und Fehlbedienungen vermieden werden. Ergebnis: längere Schaltlebensdauer, geringeres Betriebsrisiko und minimale Stillstandszeiten der Anlage.

Was wird ersetzt: Einschubwagen (ausfahrbarer Einschub) komplett, Leistungsschalter, Schott-/Blendenmechanismus, mechanische und elektrische Verriegelungen, Satz Führungen und Anschläge, sekundäre Kassette/Steckverbinder; bei Bedarf — Antrieb des Erdungsschalters, Fronttür und Messwandler.
Was bleibt erhalten: Zellgehäuse, Schrankaufbau, Ein-/Abgangskabel, Sammelschienenkanäle und Fundament, Stations-/Schaltplan.

Drei Umsetzungsszenarien:
Re-Use: Einbau eines neuen Leistungsschalters auf dem vorhandenen Einschubwagen mittels Adapterrahmen und Herstellung normgerechter Verriegelungen — minimale CAPEX, jedoch höherer Anteil an Montageaufsicht und Einstellarbeiten vor Ort.
Drop-in: neuer ausfahrbarer Einschub „im Formfaktor KVP-10/13“ mit spiegelgleicher Anschlussgeometrie und Verriegelungslogik — „Plug-in“-Austausch mit kurzer Abschaltzeit.
Factory Retrofit Module: werkseitig vormontiertes Modul mit realisierten Schotten/Verriegelungen, Typprüfungen und vereinheitlichten Schnittstellen — maximale Plan- und Risikosicherheit.

Eingangsdaten für die Auslegung

Vor Projektstart benötigen wir: Eindrähtiges Schema, Kurzschlussdaten, Abgangsliste, Fotos/Maße der Zelle (Front, Seiten, Kontaktfenster), Angaben zur Aufstellhöhe, Klimaausführung und gefordertem IP-Schutz, gewünschte Funktionen der Schutz- und Leittechnik/Telemechanik sowie Daten zu vorhandenen Leistungsschaltern (VMP-10/VMPP-10/äquivalent) und Typen der Sekundärsteckverbinder. So lassen sich Toleranzen für Phasenabstände, Einschubtiefe, Anschlagpositionen und der Einbauort der Sekundärkassette im Voraus abstimmen.

Technische Daten (typisch für das KVP-10/13-Retrofit)

ParameterTypischer Wert / BereichKommentar
Spannungsklasse, kV 10 (Anpassung auf 6 möglich) Gemäß Netz und Isolationsabständen der Anlage
Frequenz, Hz 50 / 60 Abstimmung mit Schutz- & Leittechnik sowie ATS
Nennstrom, A 630–1250 (opt. 1600) Auswahl per thermischer und dynamischer Berechnung
Bemess-Ausschaltvermögen, kA 20–31,5 Mit Reserve gegenüber Altserien „13“
Mechanische Lebensdauer ≥ 10 000 Schaltspiele Für VLS mit Feder-/Magnetantrieb
Stellungen des Einschubs Betrieb / Prüf / Ausgefahren Rastungen über Führungen und Schlösser
Schalterantrieb Federbetätigt oder elektromagnetisch Entsprechend Schaltprofil und Schutzanforderungen
Frontschutz IP gemäß Projekt (typ. IP20…IP54) Erhöhung durch Verkleidungen und Dichtungen
Schnittstelle Sekundärkreise Abnehmbare Kassette/Steckverbinder, einheitliche Belegung Kennzeichnung und Prüfprotokolle im IBN-Paket
Form-/Fit-Kompatibilität „Im Formfaktor KVP-10/13“ Adapterrahmen und Schnittstellen im Lieferumfang
Schutztechnik Mikroprozessorgestützte IEDs Ereignis-/Störschreiber, Oszillografie
Prüfungen Routine- und Abnahmeprüfungen Werk (FAT) und/oder vor Ort (SAT)

Kompatibilität und Geometrie

Der neue Einschubwagen reproduziert die Anschlussmaße KVP-10/13: Polüberstand, Achsen der Hauptkontakte, Anschlagpositionen und Lage der Schottfenster. Bei der Bestandsaufnahme erfassen wir die Ist-Geometrie und gleichen Abweichungen mit einstellbaren Führungen, Distanzstücken und Adaptern aus. Obligatorisch sind Prüfungen der Koaxialität von Steck-/Buchs­kontakten, der Schließkräfte sowie die Funktionsprüfung des Schottmechanismus in den Stellungen „Prüf“ und „Ausgefahren“.

Sicherheit und Betrieb

Mechanische und elektrische Verriegelungen verhindern Bewegungen des Einschubs bei geschlossenem Leistungsschalter, blockieren das Ausfahren ohne anliegende Erdung und stellen das Verschließen der Hauptkontakt-Öffnungen in Nicht-Betriebsstellungen sicher. Bei Bedarf realisieren wir motorisiertes Ein-/Ausfahren mit Bedienung bei geschlossener Tür, Stellungsanzeigen und Zustands­sensorik mit Anbindung an SCADA/DCS.

Lieferumfang des Retrofit-Kits

Einschubwagen mit Leistungsschalter; Satz Adapter für Hauptkontakte; Schott-/Blendenmechanismus; Verriegelungssystem; Sekundärkassette; Sätze für flexible/starre Schienenverbindungen; Befestigungsmittel und Einstelllehren; Betriebs- und Montageunterlagen; Inbetriebnahme-Prüfpaket mit Formularen. Projektabhängig — Schutztechnik-Fronttür, Wandler (CT/VT), Zwischenverkabelung, Heiz-/Belüftungssatz.

Ausführungsvarianten und Vergleich

KriteriumRe-Use (Adaption)Drop-in (neuer Einschub)Factory Retrofit Module
Umsetzungsdauer Mittel; abhängig von Modifikationen Kurz Minimal
CAPEX Niedrig Mittel Hoch
Vor-Ort-Aufwand Erhöht Niedrig Minimal
Werksfertigungsgrad Teilweise Hoch Maximal
Empfindlichkeit gegenüber Zellgeometrie Hoch Mittel Niedrig/Mittel
Flexibilität bei Schalterwahl Hoch Hoch Hoch (innerhalb der Modulreihe)

Normen und Prüfungen

Die Umsetzung erfolgt gemäß geltenden Normen für Mittelspannungsgeräte: allgemeine Anforderungen an Leistungsschalter und Metallschaltanlagen, IP-Schutzarten der Gehäuse, Anforderungen an Trenn-/Erdungsschalter sowie Typ- und Routineprüfungen. Das IBN-Programm umfasst Geometrieprüfungen, elektrische Kennwerte, Verriegelungsfunktionen, Messung der Kontaktübergangswiderstände sowie Routine- und Abnahmeprüfungen (FAT/SAT).

Dokumentation und Fertigung

Wir liefern Anfragebögen, Vorab-Technik (für Ausschreibungen), vollständige Fertigungszeichnungen (DWG/DXF), 3D-Modelle (STEP/Parasolid), Baugruppen (SolidWorks), Stücklisten und ITP/QA-Pläne, Stromlauf- und Anschlusspläne, Fertigungsabläufe, Montage-/Einstellanweisungen, IBN-Prozeduren, typische Retrofit-Planpakete, Betriebs-/Wartungsanleitungen. Zeichnungen werden an Kundenausrüstung und die Möglichkeiten des jeweiligen Fertigungsstandorts angepasst.

Wirtschaftlichkeit

Durch Beibehaltung von Gehäusen und Kabelinfrastruktur ist das Retrofit günstiger als ein vollständiger Austausch der Schaltanlage und deutlich schneller in Betrieb zu nehmen. Der Vakuumschalter reduziert Wartungsaufwände und eliminiert den Umgang mit Isolieröl. Eine etappenweise Modernisierung mehrerer Zellen minimiert die Gesamtausfallzeit.

FAQ — Retrofit KVP-10/13

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